Wer schaut nicht gerne einmal nach einem Alltagsmotorrad, Wintermotorrad oder eine Einsteiger-Enduro. Die Privatanzeigen im bma
sind häufig sehr verlockend - soll ich kaufen oder nicht? Neben den
allgemein üblichen Kontrollen bei der ersten Besichtigung ist es häufig
schwierig, spezifische modelltypische Punkte zu beachten. Im folgenden
sollen die Kawasaki-Enduros einmal für den Gebrauchtkäufer genauer
betrachtet werden. Wir starten zur Einstimmung mit einer kleinen
Modell-Historie. In der 80er Jahren machte Kawasaki mit den
wassergekühlten KLR-Modellen 600 und 250 von sich Reden. Diese galten
durchaus als sehr geländegängig, jedoch gab es insbesondere bei der KLR
600 Motorprobleme bei der Steuerkette, da bis 1986 ein zu schwacher
Steuerkettenspanner verbaut wurde. Aber auch größere
Kilometerleistungen konnten erreicht werden, KLR 600 mit annähernd
sechsstelligen Laufleistungen sollen noch unterwegs sein. Als
Reiseumbau war schließlich von 1989-1991 die Tengai im Programm. Richten
wir jedoch unser Augenmerk auf die für den Gebrauchtkäufer
interessanteren neueren Modelle. Kawasaki brachte Anfang 1993 mit der
KLX zwei aufwändige wassergekühlte Viertakt-Enduros mit
Upside-Down-Gabeln auf den Markt, beide basieren auf dem gleichen
Konzept. Einmal als softere C-Version mit E-Starter (ausschließlich),
Zweipersonen-Zulassung, 45 PS im Brief, 285 mm Federweg vorn und 260 mm
hinten ohne Verstellmöglichkeiten, Ge-päckträger, 17"-Hinterrad und 174
kg Startgewicht. Als Straßenenduro mit super Geradeauslaufeigenschaften
und tiefem Schwerpunkt konzipiert, kann man mit der KLX 650 C Off- road
auf Schotterstrecken und beim Driften glänzen. Auch wenn ab Werk
Handguards montiert sind und von den Fußrasten der Gummiaufsatz
entfernt werden kann, eignet sich dieses Modell vornehmlich für den
Alltagsbetrieb, Ausflüge, Urlaub und für sanftere Geländeausflüge. Es
handelt sich nicht um eine der so genannten Hard-Enduros, wie sie die
Hersteller gerne selbst nennen! Schwere, tiefe Strecken sollten
gemieden werden - wer hebt schon gern 174 kg aus einer tiefen Fahrspur
und ärgert sich über sehr weiche Federelemente - und grobstollige
Offroad 17"-Reifen sind schwer zu finden. Da die Kawa-Einzylinder
nicht mehr den neuen Abgasvorschriften entsprachen, erfolgte 1995 die
Ablösung durch die KLR 650, mit „modernerem”, unauffälligerem und run-
derem Design. Dieses schwerere und 8 cm tiefere Motorrad verfügt über
die Fahreigenschaften der KLX C; es lässt sich ebenfalls im sanften
Geländeeinsatz erstaunlich gut bewegen und bewährt sich im
Alltagsbetrieb.
Auf der anderen Seite steht die bis heute angebotene, sehr seltene,
sportlichere KLX 650 R im Programm, mit der sogar schon Moto-Cross
DM-Läufe gewonnen wurden. Mit über zehn PS mehr wird dem Fahrer vor
allem im mittleren Drehzahlbereich mächtig Power und mittels
Ausgleichswelle auch schüttelfrei zur Verfügung gestellt. Die besseren,
einstellbaren Federelemente und 144 kg Startgewicht erlauben auch
härtere Geländeeinsätze mit dem Ein-Personen-Motorrad, außerdem verfügt
dieses Modell über ein 18"-Hinterrad, keinen Gepäckträger, einen
Kickstarter und einen kleineren Kunststofftank.
Parallel hierzu boten die Japaner Mitte der Neunziger auch die beliebte
KLE 500 als sehr günstiges Enduro-Reisemotorrad an. Der Zweizylinder
mit angenehmer Kraftentfaltung und gutem Fahrwerk erfährt lediglich
Minuspunkte durch die weiche Sitzbank und den hohen Spritverbrauch, mit
dem sich auch die anderen Modelle hervorzuheben wissen. Außerdem bot
Kawa (irgendwie schaffte man es, an den interessanten Hubraumklassen
der Sportszene vorbei zu produzieren) die flinke KLX 250 mit 25 PS und
langen Federwegen an, welche insbesondere auf festem Untergrund
angenehm offroad zu fahren ist und auch höhere Drehzahlen verkraftet;
ein Motorrad für sanftere Einsteiger und Kurzstreckenfahrer, die tiefes
Gelände und lange Autobahntouren meiden sollten. Die unterschiedlichen
Zielrichtungen der Modelle sollte der Kawasaki-Liebhaber und
Gebrauchtkäufer unbedingt beachten, damit er auch den rechten Spaß mit
seinem Gefährt hat.
Worauf nun achten? Generell
gilt bei den Kawasaki Modellen, dass der Rahmen und hier insbesondere
die Unterzüge, sowie Auspuffteile, die nicht aus Edelstahl gefertigt
sind, durch Winterfahrten gerne mal rostbelagert sind. Käufer sollten
daher auf die Unterseite ein besonderes Augenmerk lenken und ggf. eine
Neulackierung einkalkulieren. Bei den KLX 650-Modellen gab es 1994 eine
Rückrufaktion, bei der Kolben und ein Kurbelwellenlager getauscht
wurden. Der Grund waren Motorprobleme und scheinbare Leistungseinbußen.
Außerdem gab es die erstaunliche Empfehlung mit einer reduzierten
Ölmenge zu fahren (man lese und staune). Allerdings wurde gerade die
Empfehlung mit der geringeren Ölmenge (sie sollte zur
Leistungssteigerung führen...) häufig falsch verstanden und zusätzliche
Motorschäden entstanden, weil der untere Öl-Level bei einem ersten
Ölverbrauch des Motors sehr schnell unterschritten wurde.
Gebrauchtkäufer sollten prüfen, ob diese Aktion durchgeführt wurde und
ob der Verkäufer ausreichend Öl eingefüllt hat. Das Sichtfenster als
Kontrollmöglichkeit lässt leider viel Interpretationsspielraum und der
Ölstand wird auf Grund von Ölschlamm oft höher eingeschätzt als er in
Wirklichkeit ist. Annähernd alle bekannten Motorschäden entstanden
durch eine zu geringe Ölmenge!
Zum Teil kann es vorkommen, dass die KLX schlecht anspringt, obgleich Vergaser, Zündung und Zündkerze scheinbar ok sind. In
diesen Fällen liegt häufig ein Defekt durch Erschütterungen am
Pick-Up-Modul der Zündung vor. Abhilfe schafft ein Austausch oder ein
näheres Heranführen an die Kurbelwelle (Info: Motorradhaus Timm Tel.
04165/82118). Wer einen griffigen 17" Offroad-Reifen sucht, kann auf
Modelle wie den Michelin Desert oder Pirelli Rallye Cross zurück
greifen. Prüfen Sie bei einer Testfahrt, ob Sie mit den Bremsen
zurechtkommen. Viele Besitzer haben ihr Motorrad auf
Stahlflex-Leitungen umgerüstet. Bei der Testfahrt sollten sie auch
checken, ob sie mit der leicht nach vorn geneigten Sitzposition gut
zurecht kommen. Ob die Kawa ein agiles Geländeleben hinter sich hat,
erfahren Sie, indem sie auf vermehrte Schleif- und Kratzspuren an den
Unterseiten und Plastikteilen sowie abgenutzte Krallenfußrasten und
abgeschabte Rahmenteile auf Stiefelhöhe achten. Und lassen Sie sich
nicht von dem vermeintlichen Ausgleichsbehälter bei der KLX C täuschen
- es handelt sich um ein abschließbares Werkzeugfach.
Änderungen erwünscht?
Für den Gebrauchtkäufer sind natürlich auch einige Anpassungen
interessant - um das Motorrad auf sich zuzuschneiden oder um sich von
der Masse abzuheben - Customizing auf neudeutsch. Dabei ist jeweils im
einzelnen zu prüfen, ob für die Maßnahmen nicht die
Straßenverkehrszulassung und damit der Versicherungsschutz flöten geht!
Wer mit viel Gepäck und Sozius unterwegs ist oder wen der Morbus
Crossus Virus befallen hat, der wird zunächst über Modifizierungen am
Fahrwerk nachdenken. Neue progressive Federn sorgen in der von außen
schönen, aber recht bockigen Upside-Down Gabel für besseres
Ansprechverhalten und Dämpfungsreserve. Angeboten werden die Teile von
Technoflex, Wirth, Racetech und Öhlins; die Preise liegen je nach
Umfang des Kits zwischen 85 EUR und 200 EUR (Anbieter z.B. Kamps,
02825/ 100524, oder Zupin, 08669/8480). Um das Hinterteil besser
einschätzen zu können kann der Dämpfer ausgetauscht werden - diese
Aktion erfordert dann allerdings einen beherz- teren Zugriff auf die
Ersparnisse, zwischen 140 EUR und 700 EUR sind zu investieren (Anbieter
wie oben).
Wer mag, kann nun seine Kawa erleichtern, indem Soziusfußrasten und der
Haltegriffe demontiert werden sowie das schwere Cockpit durch einen
Digitaltacho und der Stahltank durch eine Plastikversion (Popko 225 EUR
mit TÜV) ersetzt werden. Der Stahllenker kann gegen einen stabilen
Alulenker getauscht werden. Eine VA-Platte als Motorschutz (80 EUR) wie
auch ein spezieller Bezug für die Bankaufpolsterung (50 EUR) ist bei
Popko in Braunschweig erhältlich. Um teures Umkippen zu vermeiden, ist
es auch empfehlenswert, die Blinkerhalterung stabiler auszulegen. Wer
mit seiner KLX längere Touren unternehmen möchte, der erhält bei MRA.de
besondere Windschilder.
Für den reinen Sportbetrieb (und nicht für die Straße!) gibt es eine
Reihe von leistungssteigernden Maßnahmen, wobei der Flachschieberver-
gaser am effektivsten erscheint. Auspuffanlagen sind von Supertrapp,
Remus und BSM im Angebot. Das Motorradhaus Timm in Hollenstedt hat auch
gute Erfahrungen mit modifizierten „R”-Auspuffanlagen an der KLR
gemacht. Intensivere Eingriffe in den Motor bietet auf Anfrage Popko in
Braunschweig an.
Wer dem Trend zum Super Moto folgen möchte, kann mit einer gebrauchten
KLX eine kraftvolle günstige Einstiegsmaschine erhalten
(Felgen-Umrüstkit gibt es bei Popko für 1300 EUR kpl. mit Bremsscheiben
incl. TÜV). Achtung: beim Umbau sollten auch Distanzen für Ritzel,
Kettenrad und Ritzelmutter zur Einhaltung der Flucht montiert werden
(Popko 55 EUR).
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